Gastfreundschaft in Peru

Kann es in einem Land, in dem es immer verbissener um Konsum geht, in dem sowohl auf der Straße als auch im Laden ein heftiger Konkurrenzkampf herrscht, kann es dort ernstgemeinte Gastfreundschaft geben?

Dazu habe ich eine kleine Anekdote:
Joshi und Ich trampen mit einem LKW entlang der Panamericana. Der LKW macht Pause, ich gehe in einem Restaurant auf Toilette. Dass wir nahezu geldfrei reisen erkläre ich einer verständnisvollen Dame, die für meinen Toilettengang zunächst eine Gegenleistung verlangte. Auf dem Weg zu unserem LKW werde ich von einem fremden Mann aufgehalten, der meint, wir müssten unbedingt mit ihm essen. Ich danke und verneine, denn ich weiß ja nicht wann unser LKW weiterfahren würde, außerdem kenne ich den Mann ja überhaupt nicht. Wir reden kurz und er macht mir klar, dass er uns tatsächlich zum Mittagessen einladen möchte. Einfach so. Da es für uns weitergeht, gibt er uns das Essen für unterwegs mit. Ein Lächeln und ein Gefühl tiefer Dankbarkeit breitet sich aus.

Ich blicke zurück. Es blieben nur wenige Minuten für ein kurzes, aber wirklich schönes Gespräch.
Dieser Mann wollte uns helfen, uns beschenken. Für mich ist das der Inbegriff für „bedingungslose Nächstenliebe“. Er hat uns zum Gast gemacht, obwohl wir ihn nicht kannten, ihn nicht einmal angesprochen haben. Warum hat er das getan?
Aus Mitleid? Menschlichkeit? Christlichen Werten? Freude am Teilen? Ich weiß es nicht.

Immer wieder passiert etwas ähnliches, wie gerade beschrieben. Menschen laden einander ein. Auf welche Art und Weise auch immer. Sie leben miteinander und vernachlässigen die verbreitete Tauschlogik, nach der wir in unserer auf (Massen-)Konsum- und Konkurrenzkampf ausgelegten Wirtschaftsweise denken und handeln. Und dann stellen sie fest, dass das gegenseitige Beschenken sie glücklich macht. Klingt schon fast nach Weihnachten.

Zurück auf die Staßen Perus.
Wer hier am Straßenrand seinen Daumen rausstreckt, wird meist nach 15 bis 30 Minuten mitgenommen und kann sich auf spannende Geschichten, vielfältige Diskussionen oder viele Hinweise über die am Fenster vorbeisausende Landschaft freuen. Denn Peruaner*innen erzählen gerne über ihr Land.

Wir haben allerdings auch Teile, besonders im Süden Perus kennengelernt, wo Menschen andere Menschen nur gegen Geld mitnehmen. Auch wenn sie sowieso in die passende Richtung fahren, Platz haben und wohl kaum mehr Sprit verbrauchen würden. Wer hier sagt, er habe kein Geld, wird am Straßenrand stehen gelassen. Ist da das kapitalistische Denken ausschlaggebend?
Doch nicht alle Menschen scheinen so zu denken.

Kulinarische Köstlichkeiten kennenlernen – dank Chefkoch Alex bekommen wir einen geschmackvollen Einblick in die Essenskultur Perus.

Mi casa es tu casa.
Mit ausreichend Geduld finden sich Menschen, die voller Begeisterung zwei weitere mitfahrende begrüßen. Manchmal folgt sogar eine Einladung ins eigene Haus. Mein Haus ist dein Haus, sagen sie. Dabei entstehen unglaubliche zwischenmenschliche Begegnungen, der Raum ist gefüllt von Vertrauen und Freude. Es kann ein inspirierender Austausch von Denken und Handeln entstehen. Von einfachen kulinarischen Geheimnissen bis hin zum persönlichen Weltbild. Auf einmal fühlt es sich an wie unter alten guten Freunden.
Und zu solchen können wir auf diesem Wege werden. Wie einfach es doch sein kann!

Da frage ich mich, sollten wir dies (vor allem auch in Deutschland) nicht häufiger praktizieren?
Einfach mal die Türe öffnen für Begegnungen, Menschen wie Dich und Mich?
Ich habe das Gefühl, gelebte Gastfreundschaft und Nächstenliebe ist ein Schlüssel zum Glück.
Machen wir uns also auf zu diesem Glück. Egal ob als eintretende oder türöffnende Person.

Benni

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.